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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Unser Bildungssystem
Unser Bildungssystem ist nach dem letzten großen Reformschub zu Beginn der 1970er Jahre und der Erstarrung in den 1980er und 1990er Jahren im Rückbau begriffen. Massive Eingriffe in die Struktur unseres Bildungssystems schaffen autoritäre Strukturen wie es sie schon zu Beginn und Mitte des letzten Jahrhunderts gegeben hat. Gleichzeitig wird der jahrzehntelang geltende Grundkonsens immer mehr in Frage gestellt bzw. aufgelöst. So ist der freie Zugang zu Bildung und Wissen mittlerweile nicht mehr nur in Gefahr, sondern durch die Einschnitte in den letzten Jahren bereits massiv eingeschränkt.
Bildung und Weiterbildung werden aber in immer größeren Ausmaß bestimmende Faktoren gesellschaftlicher Differenzierung. Bildung und die Möglichkeit zum eigenständigen und laufenden Bildungserwerb entscheiden zumeist über den Einstieg ins und den Verbleib im Arbeitsleben. Angesichts eines sich stark dynamisierenden Arbeitsmarktes, in dem die lebenslange Ausübung eines Berufes immer unwahrscheinlicher wird, wird Bildung zu einem wesentlichen Faktor individueller Selbstständigkeit. Wem der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt, der/ die findet sich schnell mit Lohndruck und Arbeitslosigkeit konfrontiert und droht somit in die Spirale gesellschaftlicher Deklassierung zu geraten, die letztendlich in die neue Armut führt. Diese Entwicklungen verschärfen die Kluft zwischen den Bildungswegen und verschärfen ungerechte Chancenverteilung. Davon sind alle in Ausbildung befindlichen Jugendlichen betroffen, egal ob SchülerInnen, Lehrlinge oder StudentInnen. Die totale Spezialisierung bietet keinen Ausweg an, sondern schafft Bildungssackgassen.
Für sozial gerechte und demokratische Schulen
Für uns ist die Frage der schulischen Strukturen eine äußerst wichtige, mit der es sich auch für einen Studierendenverband zu beschäftigen lohnt. Es kann die Universitäten, Akademien und Fachhochschulen wie wir sie uns vorstellen nicht geben, wenn es keine sozial gerechten und demokratischen Schulen gibt.
Schule soll anregen, Widersprüche zu erkennen, und nicht OpportunistInnen „heranziehen“. Unsere Schulen sollen von kritischen und mündigen Menschen verlassen werden. Menschen, die es gelernt haben gesellschaftliche Zusammenhänge zu hinterfragen und Manipulationen zu erkennen. Menschen mit sozialer Kompetenz, die ihr Leben selbst und im Umgang mit anderen gestalten können. Deshalb müssen gedankliche, emotionale, soziale, kreative, kommunikative und praktische Fähigkeiten bereits in der schulischen und vorschulischen Erziehung gefördert und als Lehr- und Lernziele verbindlich festgelegt werden. Die praktische Anwendung von Unterrichtsprinzipien wie Politische Bildung oder Friedenserziehung muss im gesamten Schulwesen verstärkt werden.
Lebensnahe und handlungsorientierte Wissensvermittlung erfordert, dass das Wissen nicht weiter in einzelne Fächer aufgesplittert wird, sondern zu Lern- und Handlungsfeldern zusammengeführt und vernetzt wird. Wir wollen eine moderne Schule, die flexibel genug ist, um sowohl auf aktuelle Entwicklungen als auch auf das Individuum einzugehen. Diesen Anforderungen muss auch und vor allem die LehrerInnenausbildung gerecht werden.
Die Schule muss einen höheren Stellenwert als offene Bildungsinstitution erhalten. Die Schulen sollen nicht Lernfabriken sein, die nachmittags kaum ausgelastet werden, sondern eine Drehscheibe für kulturelle, soziale und politische Arbeit darstellen. Die Schule soll ein Lebens- und Erlebensbereich werden, der auch freiwillig besucht wird. Die Schule soll allen zugänglich sein und ein Informationsangebot an alle Menschen bieten.
Unabhängig von der sozialen oder regionalen Herkunft, den Alters- oder Lebensbedingungen muss Chancengerechtigkeit gewährleistet werden. Der sozialen Selektion in den Schulen ist entschieden entgegenzutreten. Insbesondere ist im Schulsystem darauf zu achten, dass Frauen in ihrer individuellen und selbständigen Lebensplanung gefördert werden. Nur wer mit der kritischen Reflexion der Rollenverhältnisse und -klischees möglichst bald vertraut wird, kann die Überwindung dieser aktiv vorantreiben. Die Koedukation, die gemeinsame Erziehung von weiblichen und männlichen SchülerInnen hat entscheidende Fortschritte in diese Richtung gebracht. Es gilt aber zu überlegen, ob nicht gerade in jenen Bereichen, in denen Frauen nach wie vor stark benachteiligt bzw. unterrepräsentiert sind, eine gesonderte und konzentrierte Förderung sinnvoll ist.
In Betrachtung all dieser Umstände fordern wir die Überwindung der immer noch bestehenden Trennung in Hand- und Kopfarbeit in der schulischen Ausbildung, sowie die Gesamtschule. Die bestimmenden Faktoren schulischer Ausbildung sollen nicht Selektion und Differenzierung sein, sondern die Befähigung zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und die Vermittlung notwendiger Kenntnisse und Fähigkeiten zur selbstständigen Gestaltung des weiteren Lebensweges. Aus diesem Grund treten wir auch für die Abschaffung aller Sonderschulen ein. Die Lehrlingsausbildung sollte auf einer umfassenden trialen Ausbildung basieren, die verbunden mit einem Lastenausgleich zwischen jenen, die Lehrlinge ausbilden und jenen, die keine ausbilden, reformiert werden muss.
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