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Momentum 09 - Freiheit
Mein Praktikum - und wo sammelst du Berufserfahrung?
Sozial- und Studienrechtsberatung

Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at

„Kompromisslos auf der Seite der Studierenden“

Sophie Wollner (24) studiert Germanistik und Politikwissenschaft an der Universität Wien. Bei den kommenden ÖH-Wahlen geht sie als Spitzenkandidatin für den VSStÖ ins Rennen.

Sophie, du bist seit zwei Jahren im Vorsitzteam an der ÖH Uni Wien, was ist die Herausforderung an der Bundes-ÖH?

Für mich hat die ÖH-Bundesvertretung drei Dimensionen. Als erstes muss sie Anlaufstelle für Studierende sein, also wenn ich als Studentin Hilfe benötige, oder Fragen habe, muss ich dort kompetent beraten werden. Weiters ist die ÖH die Vertretung von über 270.000 Studierenden und muss gegenüber dem Ministerium eine kämpferische Verhandlungsparterin sein. Die ÖH ist außerdem eine Interessenvertretung mit allgemeinpolitischem Mandat. Das heißt, dass sie sich bei gesellschaftspolitischen Fragen zu Wort melden muss.

Kann die ÖH deiner Meinung nach wirklich etwas bewirken?

Auf jeden Fall! Das beste Beispiel ist die Teilabschaffung der Studiengebühren. Hätte die ÖH nicht immer wieder auf die Abschaffung gepocht, wäre es sicher nicht so weit gekommen. Der VSStÖ und mit ihm die ÖH sind nie müde geworden, das Thema immer weiter im öffentlichen Diskurs zu halten und als 2007 dann Gusenbauers Umfaller kam, sind die Studierenden auf die Straße gegangen und haben sich den Witz vom Sozialstundenmodell nicht gefallen lassen. Ohne diese Proteste wäre das Thema wohl schnell vergessen worden. Jetzt sind die Studiengebühren für einen Großteil der Studierenden abgeschafft. Wir fordern aber die Abschaffung für alle Studierenden und dafür werden wir uns auch weiter einsetzen.

Was sind deine wichtigsten Projekte für die ÖH?

In der Bundesvertretung wollen wir eine Beratungsoffensive starten, das bestehende Angebot ausbauen und verbessern. Wir werden mehrsprachige Broschüren und gebärdensprachliche Beratung anbieten, und einen Arbeitsvertrags-Check analog zum bereits bestehenden Mietvertrags-Check einführen.

Das zweite Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, ist ein Schwarzbuch zum Thema Gläserne Decke. Wir wollen eine qualitätive Studie in Auftrag geben, um die Mechanismen, die Frauen an der Uni Steine in den Weg legen, aufzudecken.

Weiters wollen wir einen Runden Tisch zum Thema Praktikum einleiten. Studierende müssen neben ihrem Studium oft Praktika machen, um Berufserfahrung zu sammeln. Das Problem dabei ist meistens die schlechte oder fehlende Bezahlung und mangelnder rechtlicher Schutz. An diesem Runden Tisch wollen wir einen Code of Conduct erarbeiten an den sich Unternehmen halten sollen – die Studierenden sollen erfahren, wo sie unter fairen Bedingungen arbeiten können. Als ersten Schritt hat der VSStÖ jetzt schon die Homepage www.meinpraktikum.at zum Erfahrungsaustausch eingerichtet.

Studieren und Arbeiten?

Über 80 Prozent der Studierenden müssen neben dem Studium arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, Es gibt aber zu wenig Lehrveranstaltungen am Abend und an den Wochenenden. Das liegt oft am mangelnden Willen der Institute, und daran, dass zu wenig Geld für Lehre in die Hand genommen wird. An der Publizistik zum Beispiel ist das Betreuungsverhältnis katastrophal - auf etwa 6.000 Studierende kommen nur sechs Professuren.
Außerdem ist Studieren an sich schon ein Full-Time-Job. Die Unvereinbarkeit von Studium und Beruf führt schnell zu Studienverzögerung, was wiederum zum Verlust von Beihilfen führt. Dadurch muss dann wieder mehr gearbeitet werden und es entsteht ein Teufelskreis, aus dem viele Studierende nur schwer wieder raus kommen.

Was kann längerfristig dagegen getan werden?

Studierende brauchen echte soziale Absicherung – wir brauchen ein besseres und gerechtes Studienbeihilfensystem. So wie es jetzt ist, fallen viele einfach durch die Kriterien, obwohl sie die Studienbeihilfe wirklich benötigen. Unsere Antwort darauf ist das Konzept des Grundstipendiums in der Höhe von 770 Euro für alle Studierenden – leicht finanzierbar durch eine Vermögenssteuer.

Was hältst du von Zugangsbeschränkungen, die Minister Hahn für die Unis plant?

Hahn versucht die jahrelange Aushungerung der Universitäten durch Zugangsbeschränkungen auszugleichen. Das ist aber der falsche Weg: Zugangsbeschränkungen sind in jedem Fall sozial selektiv und benachteiligen immer Personen, die schon nicht priveligiert sind. Im europäischen Vergleich zählt Österreich schon jetzt zu den Schlusslichtern bei der AkademikerInnenquote. Das Problem sind also nicht zu viele Studierende, sondern zu wenig Geld. Es liegt am politischen Willen: Bei der Frage eines Budgets kommt es auf die Prioritätensetzung an – Bildung muss oberste Priorität haben!

Warum sollen Studierende zur ÖH-Wahl gehen?

Um ihr demokratisches Recht in Anspruch zu nehmen und Veränderungen zu ermöglichen. Gerade jetzt, wo uns ein Universitätsgesetz bevorsteht, in dem Hahn flächendeckende Zugangsbeschränkungen für den Master, sowie Selektionsphasen am Beginn des Studiums geplant hat, braucht es eine starke ÖH, die kämpft und nicht kuschelt.

Heuer gibt es erstmals bei den ÖH-Wahlen auch E-Voting, was hältst du davon?

Nicht viel, weil E-Voting demokratiepolitisch ein Wahnsinn ist. Die Grundrechte der freien und geheimen Wahl können nicht mehr gewährleistet werden, den korrekten Ablauf der Wahl überprüft nicht mehr eine Wahlkommission. Außerdem ist das Programm nicht ausgereift, und weist Kinderkrankheiten auf. Es kann sich also niemand sicher sein, ob die abgegebene Stimme richtig gezählt wird, oder geheim bleibt. Darum rate ich allen Studierenden davon ab, die Stimme elektronisch abzugeben.

Und wieso sollen die Studierenden den VSStÖ wählen?

Der VSStÖ ist die wahlwerbende Gruppe, die sich für echte soziale Absicherung einsetzt. Wir sind diejenigen, die Beratung und Politik nicht als Widerspruch sehen – Service kann Probleme lindern, Politik kann Probleme lösen. Und wir haben als einzige ein ausführliches Wahlprogramm für die ÖH mit konkreten Projekten und Forderungen. Außerdem hat der VSStÖ bewiesen, dass er kompromisslos auf der Seite der Studierenden steht.

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