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Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten
Sektion Wien
http://www.vsstoe-wien.at
Doktorat
Immer mehr AbsolventInnen entscheiden sich für ein Doktoratsstudium, doch das nicht ohne Hürden. Was die Freiheit von wissenschaftlichem Arbeiten, vielleicht gar eine wissenschaftliche Laufbahn verspricht, birgt oft eine Menge Tücken und Probleme. Umso wichtiger, dass diese benannt werden und es auch hier eine starke Interessenvertretung gibt. Bereits bei der Themenkonkretisierung, der BetreuerInnensuche oder dem Verfassen eines Konzepts tritt oft die erste Ernüchterung ein. Ganz zu schweigen von dem Mammutprojekt Dissertation, dass auf einmal gigantisch vor einem aufragt. „Das Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften dient über die wissenschaftliche Berufsvorbildung hinaus der Entfaltung der Fähigkeit, durch selbständige Forschung zur Entwicklung der Rechtswissenschaft beizutragen, und der Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses,“ erläutert uns unser Studienplan die Ziele des Doktorats. Was hievon oft über alle Maße hervorgehoben wird, ist die vermeintliche Selbständigkeit. Unser Studienplan zeichnet sich durch eine sehr große Freiheit auf, die sich vor allem durch die Abwesenheit jeglicher Anknüpfungspunkte im Studium kennzeichnet.
Des einen Leid, des anderen Freud
„Ich fühle mich irgendwie verloren. Das Diplomstudium war doch relativ strukturiert. Jetzt heißt es halt schreiben, schrieben, schreiben...“ kritisiert Anna, die gerade begonnen hat, an ihrer Diss zu schreiben. „Das lernt man ja nicht von heute auf morgen. Im Diplomstudium brauchst du’s noch nicht, im Diss Studium wird es aber auf einmal vorausgesetzt.“ Die Rede ist jedoch nicht etwa von den ebenfalls nur rudimentär angebotenen „Techniken“ des wissenschaftlichen Arbeitens, sondern vielmehr von der Frage: Wie geh ich eigentlich an meine Diss heran? „Ich häng schon manchmal in der Luft. Mehr Betreuung oder Struktur wär’ schon toll,“ wünscht sich Anna. Ein Wunsch den manche ihrer KollegInnen nur schwer nachvollziehen können. „Für mich ist der Studienplan optimal. Er gibt mir die Freiheit meine Diss zu schreiben und das mit meinem Job am Institut zu vereinbaren. Ich kann mich nicht beschweren,“ erzählt uns Michael. Ihm kommt es vor allem gelegen, dass er kaum Lehrveranstaltungen besuchen muss, sein eigener „Herr“ ist. Gleichzeitig ist er einer der wenigen, die das Glück haben auch tatsächlich in den universitären Forschungsbetrieb eingebunden zu sein. Doch wie Studierenden, die wie Anna das Gefühl haben „in der Luft zu hängen“, Anknüpfungspunkte und eine Art Rahmen geben, ohne die geschätzte Freiheit und Eigenständigkeit aufzugeben?
Es geht auch anders...
An anderen Universitäten und in anderen Studienrichtungen gibt es seit langem Angebote, die beides vereinbaren. Die eigenständigen Forschung soll in einen Rahmen gebettet werden, der nicht nur die Betreuung intensiviert, sondern der Studierenden auch eine Struktur bietet, die sie nicht an der eigenständigen Arbeit hindert. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Die Rede ist z.B. von so genannten DisserdantInnen-Kolloquien. Hier werden die Studierenden Schritt für Schritt begleitet, in jeder Phase des Kolloquiums stellen sie einen neuen Teil ihrer Arbeit vor. „Das Kolloquium hat mir wirklich geholfen. Natürlich haben wir alle unterschiedliche Themen, aber alle einen ähnlichen fachlichen Hintergrund,“ berichtet Georg der an der JKU Linz sein Doktorat macht. „Allein der Austausch im Kolloquium zeigt einem, dass man nicht allein da steht. Raus zu kommen und sich über die eigene Arbeit auszutauschen gibt auch wieder neue Motivation, sich hinter die Bücher zu klemmen.“ Zur Umsetzung solcher Ideen ist nicht einmal eine Studienplanänderung nötig, als erster Schritt reicht eine einfacheErweiterung des Lehrverantaltungsnagebot durch gezielt auf DoktorandInnen zugeschnittenen Lehrveranstaltungen
Zwei-Klassen Doktorat
Spätestens mit Einführung eines Bachelor und Masterstudiums, steht uns aber auch eine Reform des Doktoratsstudiums ins Haus. Zwar will man/frau in den so genannten PhD Studien (Doctor of Philosophy, dem dritten Schritt nach Bachelor und Master) einen besseren Orientierungsrahmen für die Studierenden schaffen, der auch eine bessere Verankerung an der Uni und im Wissenschaftsbetrieb bietet. Doch ist in der Theorie bereits von einem „intensiven Präsenzstudium“ die Rede, was den Studienplan wiederum komplett verschulen und den jetzigen Freiraum nehmen würde. Damit rückt auch einmal mehr die eigenständige Forschungsleistung von DoktorandInnen in den Hintergrund.
Von Rektorenseite vernehmen wir darüber hinaus bereits seit Jahren den Ruf nach verschärften Zugangsbeschränkungen zum Doktorat. Sie wollen sich die „Studierenden selbst aussuchen können“. Dies ist in anderen Ländern, wie z.B. der Schweiz oder Belgien, durchaus üblich. Die Idee: JedeR StudentIn ist gleichzeitig wissenschaftlicheR MitarbeiterIn am jeweiligen Institut, ein Doktoratsstudium ohne Fixanstellung gibt es in diesen Ländern nicht. Zunehmend zeigt sich auch in Österreich eine Differenzierung zwischen jener kleinen Gruppe von DoktorandInnen, die im Rahmen eines Forschungsprojekts oder als AssistentInnen an der Uni angestellt sind, und der großen Masse an „normalen“ Doktoratstudierenden. Die Unterfinanzierung der Universitäten führt darüber hinaus zu einem Mangel an BetreuerInnen und damit zu massiven Studienzeitverlängerung und zu einer Studien- und Forschungsumgebung, die mehr recht als schlecht ist. DoktorandInnen wird nur all zu oft die Anerkennung als ForscherInnen und die Einbindung in die „Scientific Community“ verwehrt, es fehlt der Zugang zu notwendigen Ressourcen und Infrastruktur. Doch auch die wenigen DoktorandInnen, die auch im Forschungsbereich der jeweiligen Uni beschäftigt sind, in der Regel in prekären Verhältnissen unter mangelnder sozialer Absicherung beschäftigt sind.
Nebenjob oder Nebenstudium?
„Ich wollt nie zu einem Anwalt gehen, ich mach ja das Doktorat, weil ich gern was in der Wissenschaft machen würd. Zum Geld verdienen hab’ ich dann in der Kanzlei angefangen... Das Projekt „Diss“ hinkt seither schon hinterher,“ antwortet Anna auf die Frage, wie sie ihr Studium finanziert. Leider geht es immer mehr DisserdantInnen ähnlich. Die vom Ministerium veröffentlichte Sozialerhebung zeichnet ein trauriges Bild: Die schwierige finanzielle Situation, mit der viele Studierenden schon im Erststudium konfrontiert sind, spitzt sich im Doktoratsstudium noch einmal zu. Familienbeihilfe und Studienbeihilfe laufen aus, die Notwendigkeit einer Berufstätigkeit nimmt zu. 82% der Doktoratsstudierenden arbeiten das ganze Jahr hindurch. 80% davon geben an, die Erwerbstätigkeit schränkt die Zeit für das Studium erheblich ein. 80,3% der Doktoratsstudierenden erhalten KEINE Förderung, weder von staatlicher Seite (Familienbeihilfe, Studienbeihilfe) noch in Form anderwärtiger Stipendien, zB einem Forschungsstipendium. Eine Situation die untragbar ist. Hier ist die Verantwortung der Politik gefragt, ebenso wie eine starke Stimme, die die Doktoratsstudierenden vertritt. Zwar haben wir am Juridiucm eine eigene Studienvertretung (StV) für Doktoratsstudierende, doch hören oder sehen wir wenig von ihnen. Der VSStÖ Jus Doktorat setzt sich daher für eine sichtbare und engagierte StV ein, die die Herausforderungen im Doktoratsstudium thematisiert und sich für die Studierenden einsetzt.
Doktorat.at
Eine wichtige Möglichkeit zur Vernetzung der Doktoratstudierenden bietet die Plattform doktorat.at . Doktorat.at ist ein fraktionsübergreifender Zusammenschluss von Doktorats-Vertretungen aus ganz Österreich. Gemeinsam mit der ÖH als gesetzlicher Interessensvertretung für 15.000 Doktoratsstudierende verfolgt doktorat.at folgende Ziele:
- Im Dialog mit den AkteurInnen der österreichischen und europäischen Bildungs- und Forschungspolitik die Interessen der Doktoratsstudierenden einbringen. Problemfelder aufzeigen, Lösungen vorschlagen.
- Information für Doktoratsstudierende zu den Themen Mobilität, Finanzierung, …
- Vernetzung zwischen den Studienvertretungen für das Doktoratsstudium fördern. Eine unkomplizierte Plattform zum Austausch bieten, Infrastruktur bieten.
- Doktorats-Studienvertretungen die Möglichkeit zur Präsentation von Informationen, Materialien, Pressearbeit ermöglichen.
- Doktoratsstudierenden eine virtuelle Anlauf- und Informationsstelle und ein Forum bieten.
Mehr Infos: www.doktorat.at
Der VSStÖ Jus Doktorat hat folgende Ziele und Forderungen:
- Einen fundierten neuen Studienplan im Rahmen des Bologna Prozesses, der Betreuung, gemeinsames Arbeiten und wissenschaftliche Eigenständigkeit vereint
- Einen Ausbau der Doktoratsberatung und -betreuung am Juridicum in Zusammenarbeit mit doktorat.at
- Die Verhinderung der Etablierung eines 2 Klassen Doktoratsstudiums durch einen Ausbau der Betreuung und Forschungsstipendien
- Eine Eigenständige soziale Absicherung für DoktorandInnen
